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DIE ANLAGE
Vor knapp einem halben Jahrhundert, an Weihnachten, erblickte eine kleine Dampflok durch den Tunnel das Licht der Modellanlage. Die vom Vater mit ihren kleinen Häuschen, Bäumen und einem Bahnhof aufgebaute Fantasielandschaft der Eisenbahnanlage zog mich sofort in seinen Bann. Von meinem Wunsch geleitet, die kleine Stadt und den Zugverkehr zu erweitern, verwendete ich mein ganzes Taschengeld um Güter- und Personenwagen zu kaufen. Meinen ersten Häuserbausatz von Faller, ein Bauernhof, gibt es noch heute. Und was mir damals noch nicht bewusst war, der Eisenbahnvirus hatte mich im Kindesalter infiziert. Inzwischen gingen Jahrzehnte vorüber, andere Hobbys, Mädels und Autos fanden mein Interesse. Meine kreative Ader, immer noch vorhanden, tobte sich beim schreinern von selbst entworfenen Möbeln und perspektivischen Zeichnen von Häusern und ganzen Straßenzügen aus. Aber so das 'Richtige' was mich forderte und ausfüllte war es nicht. Mein damaliger Freund war dabei seinem Sohn eine Modelleisenbahn aufzubauen. Nach einer Weile genügte es mir nicht mehr, meine Ideen und Tipps theoretisch im Raum stehen zu sehen.
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Der schlummernde Virus brach aus und erinnerte mich an die Eisenbahn aus der Kindheit. Ich musste meine eigene Modellanlage bauen. Einen Aufbau in der Wohnung schien aus Platzgründen zu scheitern. Die abwegigsten Konstruktionen wurden durchgegangen und verworfen, von klappbarer Schrankanlage bis zur Anlage die per Seilzug unter der Decke verschwand. Meine Modellanlage schien für immer auf ein Abstellgleis verschoben. Und wenn ich die Bahn in den Keller baue? Der Anblick des typischen 50er Jahre Kohlenkellers konnte schon ernüchtern. Holzverschlag, Pappverkleidung als Sichtschutz und Pflastersteine als Fußboden. Aber immerhin 10m² groß! Nach positiver Rücksprache mit dem Vermieter und schon wurde der Keller entrümpelt, der Lattenverschlag gegen eine solide Mauer ersetzt. Die Wände wurden verputzt, eine feuerhemmende Tür gestellt, der glatten Estrich gegossen, und als Sahne-Häubchen ein Heizkörper montiert. Jetzt waren die Voraussetzungen zum Bau einer Modelleisenbahnanlage von 8m² gegeben. Ich besorgte mir die Kataloge von allen führenden Hersteller für Zubehörteile, grübelte an einem interessanten Gleisplan mit Schattenbahnhof und der entsprechenden Landschaft. Ich wollte eine idyllische Kleinstadt aufbauen und zum Glück gab es ein großes Sortiment an schönen Gebäuden. |
Auf Epoche und Baustil achtend wurden sie dann ausgewählte und vor dem Zusammenbau selbstverständlich gealtert. Danach verbrachte ich unzählige Stunden beim arrangieren der Gebäude. Ein pures Aufreihen der Gebäude auf ebener Fläche war nicht mein Stil. Wohnhäuser an einer steigenden Straße, Fachwerkbauten um einen Platz, hier noch ein Gässchen und dort noch eine Steigung, so stellte ich mir mein Städtchen vor. Natürlich durften Kunstbauten wie Brücken, Tunnelportale, Stützmauern, Treppen und ein Stauwehr nicht fehlen. Auch ein Gewässer sollte die Topographie durchqueren. Die Planung war somit abgeschlossen und der Bau konnte beginnen. Die größte Herausforderung stellte ich mir in einem Steinbogen-Viadukt, das 2% ansteigend und gebogen das Tal überbrückten sollte. Nach Studien des Originals in Alzey konnte der Nachbau beginnen. Die Anlage ist in 5 Module aufteilbar, was die Möglichkeit zuließe damit um zuziehen, oder wie 1998 bei meiner Geschäftsgründung von 'Exklusive modellanlagen und mehr...', sie mir als Demo-Anlage ins Schaufenster zu stellen. Denn mittlerweile habe ich mein Hobby erfolgreich zu meinem Beruf gemacht.
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